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Medcram-Lernmodul | Neue Behandlungsmöglichkeiten

der Sialorrhoe mit Botulinum Neurotoxin Typ A

  Autoren/Autorinnen: PD Dr. med. Armin Steffen / Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Harald Hefter / PD Dr. med. Maria Grosheva / Prof. Dr. med. O. Guntinas-Lichius


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Sialorrhoe und Hypersalivation sind ein häufiges, aber oft nicht behandeltes Begleitsymptom neurologischer Erkrankungen. Mit IncobotulinumtoxinA gibt es neue Therapiemöglichkeiten zur symptomatischen Behandlung der chronischen Sialorrhoe bei Erwachsenen aufgrund neurologischer Erkrankungen. Hypersalivation bezeichnet einen relativ funktionellen oder absolut übermäßigen Speichelfluss, der durch insuffiziente orofaziale Fähigkeiten, verminderte zentralnervöse Kontrolle und Koordination oder gestörte Schluckabläufe in unterschiedlichem Umfang zu einem Benässen von Lippen, Kinn, Händen und auch der Umgebung führen kann. Dieses reduziert die sozialen Interaktionsmöglichkeiten und erhöht den Pflegeaufwand. Besteht eine ausgeprägte Speichelaspiration, sind Schutzintubation oder Tracheotomie mit ihren Folgen für den Krankheitsverlauf und die Folgekosten häufig nicht zu umgehen. Nicht immer liegt der Hypersalivation eine Mehrproduktion von Speichel zu Grunde, sondern ein unzureichendes Abschlucken und Verarbeiten des Speichels, also ein unkontrollierter Speichelfluss. Häufig werden die Begriffe Hypersalivation und Sialorrhoe in der klinischen Praxis synonym verwendet. Sialorrhoe und Hypersalivation sind ein häufiges, aber oft nicht behandeltes Begleitsymptom neurologischer Erkrankungen. Patienten mit Parkinson, Schädel-Hirn-Trauma, amyotropher Lateralsklerose (ALS), Zerebralparese (CP) oder Schlaganfall leiden typischerweise an Sialorrhoe. Diese führt in unterschiedlichem Ausmaß zu einem Benässen von Lippen, Kinn, Händen und auch der Umgebung. Unbehandelt können Wundsein und Schmerzen im Mund-Kinn-Bereich, Verschlucken, Probleme beim Sprechen, Dehydrierung und eine Aspirationspneumonie auftreten. Neben den klinischen Auswirkungen sollte laut aktueller Leitlinie „Hypersalivation“ bereits die emotionale Belastung, das soziale Stigma sowie die Beeinträchtigung der Lebensqualität als Behandlungsindikation angesehen werden. Als basistherapeutische Maßnahme hat die funktionelle Dysphagietherapie oder Schlucktraining einen festen Stellenwert in der Hypersalivationsbehandlung. Bis vor kurzem standen an medikamentösen Behandlungen wie z.B. mit Anticholinergika fast ausschließlich Off-Label-Therapien zur Verfügung. Seit August 2019 ist IncobotulinumtoxinA zur symptomatischen Behandlung der chronischen Sialorrhoe bei Erwachsenen aufgrund neurologischer Erkrankungen zugelassen. IncobotulinumtoxinA wird intramuskulär injiziert, um eine Spastik der oberen Extremitäten, eine zervikale Dystonie (Torticollis spasmodius) oder einen Blepharospasmus bei Erwachsenen zu behandeln. Die therapeutische Injektion in die Speicheldrüsen führt zur Reduktion der Speichelproduktion und einer Verbesserung von Häufigkeit und Schwere der Sialorrhoe. Themen der Fortbildung: Einsatz von Botulinumtoxin und IncobotulinumtoxinA in der Neurologie, leitliniengerechte Diagnostik- und Therapiemaßnahmen der Sialorrhoe, Vorstellung von medikamentösen Maßnahmen wie Einsatz von Glycopyrrolat-Applikationsformen bei Kindern und Jugendlichen sowie Injektion von IncobotulinumtoxinA bei Erwachsenen.

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PD Dr. med. Armin Steffen

Ärztlicher Leiter

PD Dr. med. Armin Steffen

Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Universität zu Lübeck

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